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„Kommunale Unternehmen sind unverzichtbar für die Daseinsvorsorge. Darin sind wir uns im Handwerk sehr einig. Wenn Stadtwerke und regionale Energieversorger jedoch zunehmend in klassische Handwerksmärkte vordringen, gerät der faire Wettbewerb ins Wanken – mit spürbaren Folgen für mittelständische Betriebe, Ausbildung und regionale Wertschöpfung“,
erklärt Mike Schneider, Präsident des Niedersächsischen Handwerktags.
In den vergangenen Jahren haben Stadtwerke und kommunale Energieversorger ihre wirtschaftlichen Aktivitäten deutlich ausgeweitet. Eine Betriebsumfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) aus dem Juli 2024 zeigte bereits, dass rund 60 Prozent der befragten Handwerksbetriebe eine spürbare Zunahme öffentlicher Wirtschaftstätigkeit in direkter Konkurrenz verzeichneten. Auch in Niedersachsen berichten Betriebe zunehmend nicht nur vom Einstieg kommunaler Unternehmen in handwerkstypische Geschäftsfelder – etwa in den Bereichen Elektro, Sanitär‑Heizung‑Klima, Bau‑ und Ausbaudienstleistungen oder energienahe Services – sondern auch vom vollständigen Aufkauf bestehender Handwerksbetriebe.
„Das Problem ist dabei nicht der einzelne Fall, sondern die strukturelle Wirkung in der Fläche“,
so Schneider. Kommunale Unternehmen verfügten in der Trägerschaft der öffentlichen Hand sowohl über detaillierte Marktinformationen als auch erleichterte Finanzierungsmöglichkeiten. Diese Vorteile wirkten sich verzerrend aus, wenn diese Unternehmen in Konkurrenz zu privatwirtschaftlich aufgestellten Handwerksbetrieben treten.
Besonders kritisch sieht das Handwerk die Auswirkungen auf die mittelständische Eigentumsstruktur. Inhabergeführte Handwerksbetriebe sind das Rückgrat der regionalen Wirtschaft und zugleich zentrale Träger der dualen Ausbildung. Werden diese Betriebe verdrängt oder in kommunale Unternehmensverbünde integriert, schwächt dies unternehmerische Vielfalt, selbstständige Existenzen und die Attraktivität der handwerklichen Selbstständigkeit für den Nachwuchs.
„Das Handwerk sorgt nicht nur für die praktische Ausbildung, sondern organisiert auch Prüfungen und entwickelt Ausbildungsinhalte weiter. Wird diese Struktur ausgehöhlt, gefährdet das langfristig die Fachkräfteversorgung – und damit auch die Umsetzung von Klimaschutz‑, Energie‑ und Transformationszielen in Niedersachsen“,
warnt der Spitzenvertreter des Handwerks.
Das vorgelegte gemeinsame Positionspapier der Handwerksverbände und -kammern betont ausdrücklich die zentrale Rolle der Kommunen bei der Daseinsvorsorge. Energie‑ und Wasserversorgung, Netze und kritische Infrastruktur sind originäre kommunale Aufgaben. Klassische Handwerksleistungen unterliegen allerdings nicht dem kommunalen Auftrag. Hier muss aus den dargestellten Gründen der Vorrang für das privatwirtschaftliche Unternehmertum gelten.
Vor diesem Hintergrund fordert das niedersächsische Handwerk:
Land und Kommunen sind gefordert, § 136 NKomVG im Sinne eines starken, wettbewerbsfähigen Handwerks anzuwenden und das Handwerk als verlässlichen Partner der kommunalen Daseinsvorsorge einzubinden.
Hannover, 11. Mai 2026
Der Niedersächsische Handwerkstag (NHT) ist die Dachorganisation des Handwerks in Niedersachsen. Er wurde im Jahr 1988 als Landeshandwerksvertretung mit dem Ziel gegründet, gemeinsame handwerkspolitische Forderungen der Handwerkammern und -verbände durch Dialoge mit Vertretern der Politik, durch Veranstaltungen, durch Presseveröffentlichungen, etc. durchzusetzen. Der NHT bildet das Sprachrohr für die Interessen von über 86.000 Handwerksunternehmen in Niedersachsen.
Der NHT fungiert als Organisator von zentralen Veranstaltungen des niedersächsischen Handwerks. Dazu zählen der handwerkspolitische Aschermittwoch und die Landessiegerehrung der Deutschen Meisterschaft im Handwerk.
Darüber hinaus nimmt der NHT die Geschäftsführung den Landesverband der Unternehmerfrauen des niedersächsischen Handwerks wahr.
Auf Bundesebene vertritt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Interessen des Handwerks (www.zdh.de). Über www.handwerk.de und www.handwerk.com erhalten Sie weitere Informationen zum Wirtschaftsbereich Handwerk über die Landesgrenzen Niedersachsens hinaus.