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Über 1.100 Handwerksbetriebe bewerten ihre Kommune zum Jahresstart
– Blitzumfrage zur Wirtschafts- und Konjunkturlage im Januar 2026 –

„Handwerksbetriebe sind in ihren Kommunen wirtschaftlich und gesellschaftlich eng verwurzelt. Sie sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze, zahlen Steuern und Abgaben vor Ort und engagieren sich sehr häufig in den verschiedensten Ehrenämtern. Diese Standortbindung ist eine Stärke, aber keine Selbstverständlichkeit. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen vor Ort stimmen, um junge Menschen für Betriebsübergaben oder auch Neugründungen zu gewinnen“, betont Mike Schneider, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages (NHT) im Rahmen der Pressekonferenz zum handwerkspolitischen Aschermittwoch. Die traditionelle Blitzumfrage des NHT zur Wirtschafts- und Konjunkturlage zum Jahresstart 2026, an der sich über 1.100 Handwerksbetriebe beteiligt haben, setzt einen kommunalen Schwerpunkt.

Die Ergebnisse:

Kommunalwahlen im Herbst für Handwerk sehr wichtig: Die Umfrage zeigt sehr deutlich, dass die Kommunalwahlen für das ortsansässige Handwerk eine hohe Bedeutung haben. In der Bewertung der politischen Ebenen, d.h. der EU-, der Bundes-, der Landes- oder der kommunalen Ebene, gab mehr als jeder vierte Betrieb an, dass für ihn die kommunale Ebene nicht nur wichtig ist, sondern – nach der Bundesebene – sogar die höchste Bedeutung hat. Der Landesebene wurde im Ver­gleich mit 22 Prozent eine geringere und der EU-Ebene mit 5 Prozent eine nur sehr nachrangige Bedeutung beigemessen. Übertroffen wurde die Bedeutung der kommunalen Ebene also nur von der Bundesebene. Ihr wurde mit 45 Prozent der höchste Stellenwert eingeräumt.

 

Mittelstandsfreundlichkeit der Kommunen: Die Frage nach der Bewertung der Mittelstands­freundlichkeit der eigenen Kommune zeigt kein einheitliches Bild:

  • Knapp 21 Prozent der befragten Handwerksbetriebe vergeben die Note „gut“,
  • 44 Prozent stufen die Leistungen der Kommunen als „befriedigend,“
  • etwa 20 Prozent als „ausreichend“ und
  • 16 Prozent als „ungenügend“ oder „mangelhaft“ ein.

Diese Bewertung zeigt, es gibt auf der kommunalen Ebene noch Luft nach oben, die genutzt werden kann.

 

Notwendige kommunale Schwerpunktsetzung aus der Sicht des Handwerks: 

  • An erster Stelle steht mit 84 Prozent der Rückmeldungen der Wunsch nach einer maßvollen Steuer- und Abgabenpolitik. Zusätzliche Abgaben, neue Gebühren oder steigende Hebesätze werden sehr kritisch gesehen. Sie treffen die Betriebe direkt in der Kalkulation und nehmen ihnen beispielsweise Spielräume für Investitionen.
  • Auf Platz zwei folgt mit 68 Prozent eine leistungsfähige Verwaltung. Gewünscht wird eine Verwaltung, die erreichbar ist, die zügig entscheidet und die Verfahren so gestaltet, dass sie in der betrieblichen Realität funktionieren.
  • Auf Platz drei nennen 53 Prozent gute wirtschaftliche Standortbedingungen. Dieses um­fasst u.a. ausreichende Gewerbeflächen, eine verlässliche Verkehrsführung, Parkraum oder auch eine funktionierende Baustellenkoordination. Kurz gesagt: Rahmenbedingungen, die den Betrieben ermöglichen, ihre Leistung für die Menschen in den Kommunen tagtäglich zu erbringen.

 

„Es ist wichtig für die Kommunalpolitikerinnen und -politiker die eigene Kommune unter den genannten Gesichtspunkten zu prüfen und frühzeitig auf die Innungen, Kreishandwerkerschaften und die Hand­werkskammern zuzugehen, die die konkreten Anliegen des Handwerks vor Ort bündeln“, appelliert der Spitzenvertreter des Handwerks. „Noch ist die Zeit!“.

„Die gute Nachricht auch für die Kommunen ist, dass 80 Prozent der niedersächsischen Handwerks­betriebe ihre aktuelle Lage als „gut“ oder „befriedigend“ bewerten. Damit ist die Gesamtverfassung im nieder­sächsischen Handwerk insgesamt weiterhin solide, allerdings ist auch eine gedrückte Stimmung im Hand­werk spürbar“, mahnt der Handwerksvertreter. Zum Start 2026 sind gemäß der Umfrage neben der Bürokratie als dem größten Belastungsfaktor auf Platz 1, die Steuer- und darunter vor allem die Sozialabgaben auf Platz 2. Die Fachkräftegewinnung landetaufPlatz 3 der größten betrieblichen Herausforderungen. Fast 40 Prozent der Betriebe konnten im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Das verschärft den Nachwuchsengpass zusätzlich, während zugleich Renteneintritte der Babyboomer bevorstehen. „Der politische Handlungsbedarf ist somit auf allen Ebenen sehr hoch“, betont Schneider.

Hannover, 18. Februar 2026

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